Bei der ÖWAV-Klärschlammtagung 2026 in Wels stand die Umsetzung der AVV 2024 im Mittelpunkt. Die verpflichtende Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm soll einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Umbau der bestehenden Verwertungssysteme bis 2033 mit erheblichen technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Herausforderungen verbunden ist.
Aus Sicht der Landwirtschaft bleibt Phosphor ein strategisch wichtiger und zunehmend knapper Nährstoff. Kritisch diskutiert wurde, dass trotz neuer Rückgewinnungstechnologien nicht der Bedarf der Düngemittelindustrie mit Phosphor gedeckt werden kann. Gleichzeitig steigen Investitions-, Betriebs- und Transportkosten deutlich an, was wiederum die Verwertungspreise massiv in die Höhe treiben wird.
Hinzu kommt ein weiterer wesentlicher Aspekt: Mit dem Ausstieg aus der bodenbezogenen Klärschlammverwertung gehen nicht nur wertvolle Pflanzennährstoffe verloren, sondern auch organische Substanz, die zum Humusaufbau und zur Bodenfruchtbarkeit beiträgt. Zudem verursachen Verbrennung, Phosphorrückgewinnung und zusätzliche Transporte einen höheren Energieeinsatz, wodurch sich die Klimabilanz gegenüber regionalen Verwertungssystemen verschlechtern kann.
Eine zentrale Frage bleibt daher, wie die Versorgung mit Phosphor während der Übergangsphase sichergestellt werden kann. Denn wenn bisherige Verwertungswege wegfallen, neue Verbrennungs- und Rückgewinnungskapazitäten jedoch noch nicht ausreichend verfügbar sind, könnte vorübergehend sogar weniger Phosphor in die Landwirtschaft zurückgeführt werden als heute.

