Regionale Nährstoffkreisläufe sind systemrelevant und krisensicher

Newsletter vom 02.04.2020, Ing. Horst Müller

Sehr geehrte Damen und Herren,
 ein Virus führt uns gerade vor Augen, wie rasend schnell sich aufgrund unserer weltweiten Vernetzung etwas verbreiten kann, aber auch wie unser tägliches Leben von Warenlieferungen aus nah und fern abhängig ist.

Noch gibt es keinen Mangel an Lebens- und Futtermitteln, sowohl der Lebensmittel- als auch der Landesproduktenhandel beteuern genug eingelagert zu haben. Was aber wird in einigen Wochen oder Monaten sein? Wird Gemüse aus Italien und Spanien wie gewohnt in Hülle und Fülle in den Supermärkten angeboten? Werden die Erträge in Grün- und Ackerland ausreichen, um Tier und Mensch zu versorgen? Werden Düngemittel erhältlich sein, um das Ertragsniveau in der Landwirtschaft zu erhalten oder bei Bedarf sogar zu steigern? Antworten auf diese Fragen werden wohl erst im Laufe des Jahres gegeben werden können.
Eins muss jedoch klar sein, die Prioritäten des Lebensmittelhandels werden sich verschieben, viele bisher so präsente Forderungen werden mangels Versorgungssicherheit plötzlich zweitrangig:

Pflanzenschutz – wer braucht denn sowas?
Die öffentlichkeitswirksame Bekämpfung eines Wirkstoffs (Stichwort Glyphosat) lässt sich gut in Marketing und „Qualitätsrichtlinien“ einbauen, was jedoch, wenn die fehlenden Wirkstoffe plötzlich dafür verantwortlich werden, Erträge nicht ausreichend abzusichern?

Düngung – nein danke!
Viele kleinbäuerliche Betriebe in Österreich schützen Umwelt und Klima, indem sie sich an strenge Düngeauflagen halten. Unsere Böden sind nur dann auf Dauer fruchtbar zu halten, wenn der Entzug der Nährstoffe und der Verlust an organischer Substanz durch Mineralisierung auch wieder ausgeglichen wird!

Kompost und Klärschlamm – ab in die Verbrennung!
Gerne wird das Verbot für Kompost und Klärschlamm verwendet, um so manches Gütesiegel aufzupeppen, wie zuletzt beim AMA – Gütesiegel Milch bzw. Fleisch, unabhängig davon, ob fachlich dafür eine Begründung vorliegt oder nicht. Doch gerade jetzt funktioniert die regionale Nährstoffversorgung durch Kompost und Klärschlamm einwandfrei, da sie nicht von weiten Transportwegen, Straßen- oder Grenzsperren abhängig ist, und das bedeutet gleichzeitig auch Entsorgungssicherheit für unsere Gesellschaft. Schnell würde sonst bei den vollen Klärschlamm- und Kompostlagern ein Entsorgungsengpass drohen, da keine Kapazitäten in Verbrennungsanlagen vorhanden sind.

Lange Zeit wurden durch Steigerung der „Qualitätsstandards“ für Marketingzwecke Produzenten unter Druck gesetzt, und viele von ihnen haben bereits aufgegeben, da sie z.B. die enormen Investitionen in Tierwohl-Labels nicht mehr tätigen konnten. Erst bei länger anhaltenden Einschränkungen des Warenverkehrs wird klar werden, dass Zertifikate, Gütesiegel, etc. nicht gegessen werden können und nebensächlich werden, wenn Lebensmittel knapp sind.

Und wie sieht es mit der Nährstoffversorgung durch Düngemittel aus? Noch dürfen Landwirte regional verfügbare Dünger wie z.B. Komposte und Klärschlämme verwenden, wenn ihnen keine Verbote durch Vertragsanbau oder Gütesiegel auferlegt werden. Es bleibt zu hoffen, dass infolge der aktuellen Situation ein Umdenken bei den Verantwortlichen für die Verbote einsetzt und die regionalen Nährstoffressourcen für die Versorgung der Landwirtschaft erhalten bleiben.

Denn die regionalen Nährstoffkreisläufe funktionieren, auch in Krisenzeiten!

Derzeit läuft die Ausbringung von Klärschlamm und Kompost bei den Partnern der Müller Abfallprojekte GmbH auf Hochtouren. Ausbringungszeitpunkt und Ausbringungsmengen wurden in den letzten Wochen bedarfsgerecht auf Bodenuntersuchungen und Kulturen abgestimmt. Die sachgerechte, regionale Verwertung von Kompost und Klärschlamm leistet durch kurze Transportwege und der Einsparung von mineralischen Düngemitteln aus dem Ausland einen wesentlichen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz. Auch die wirtschaftliche Wertschöpfung wird durch die Bezahlung von Transportvergütungen an Landwirte und Lohnunternehmer durch die Kläranlagen- und Kompostwerksbetreiber in der Region gehalten. Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung leistet somit einen wertvollen Beitrag zur Qualität und Wirtschaftlichkeit der österreichischen Landwirtschaft.

BLEIBEN SIE GESUND!

 

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