Landwirtschaftliche Klärschlammverwertung - wie geht es weiter?

Lage in Deutschland - Entsorgungsnotstand!
Verfolgt man die Berichterstattung in deutschen Fachzeitschriften, stellt man fest, dass Deutschland sich bereits jetzt mit einem Entsorgungsnotstand bei Klärschlamm konfrontiert sieht. Deutschlandweit haben Entsorger ihre Verträge mit den Abwasserreinigungsanlagen bereits gekündigt, da sie nicht mehr in der Lage sind, die Entsorgungssicherheit zu gewährleisten. Auslöser dafür war die 2017 in Kraft getretene Klärschlammverordnung und die vor kurzem novellierte Düngemittelverordnung.

Die Folgen waren absehbar: Bei Nassschlamm stiegen die Entsorgungspreise um 350% und bei entwässertem Klärschlamm um 185-230%. (Quelle: Praxisreport‚ "Klärschlamm – wohin damit?" Fachzeitschrift KA – Korrespondenz Abwasser, Abfall der DWA, Ausgabe 2019-02)
Die Lage ist bereits so prekär, dass auf Ausschreibungen von Kläranlagen kaum mehr Angebote eingehen, die Anlagen auf ihrem Schlamm sitzen bleiben und in Folge die Lagermöglichkeiten großteils ausgeschöpft sind.

Lage in Österreich - Klärschlammverwertung am Scheideweg!
In Österreich stellt sich die Situation derzeit noch anders dar. Je nach Bundesland spielt die landwirtschaftliche Klärschlammanwendung eine unterschiedlich große Rolle, in den Bundesländern Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark teilweise sogar eine sehr große! Die Schlämme haben vorwiegend eine sehr gute Qualität, die Infrastruktur und die Bereitschaft zur Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen bei den Landwirten ist vorhanden. Gefährdet wird die Situation einzig und allein durch sich ändernde gesetzliche oder förderrechtliche Rahmenbedingungen.

Was jedoch, wenn der erste Entwurf des Bundesabfallwirtschaftsplans (keine landwirtschaftliche Verwertung für Anlagen über 20.000 EW!) gekommen wäre, oder wenn die Ausnahmeregelung für die Ausbringung von qualitätsgesichertem Klärschlamm bei AMA Gütesiegel ab 2020 nicht mehr möglich ist? Innerhalb kürzester Zeit hätten wir dieselbe Situation wie in Deutschland. Erst brechen die Verwertungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft weg, danach folgt ein Engpass in der thermischen Entsorgungsschiene, der faktisch bereits jetzt vorhanden ist. Die Entsorgungspreise explodieren, dies wird aber ein theoretisches Problem sein, denn wohin soll der Schlamm überhaupt entsorgt werden, wenn es keine Behandlungsanlagen gibt? Nach Deutschland sicher nicht, bleibt nur zu hoffen, dass jede Kläranlage über ausreichend Lagerkapazität verfügt, um die Zeit zu überbrücken, bis eine in der Praxis  funktionierende Phosphorrückgewinnung aus Klärschlammaschen von Monoverbrennungsanlagen (wo in Österreich?) existiert.
Auch die Preise für Phosphatimporte aus politisch instabilen Ländern werden steigen, sowie unsere Abhängigkeit von diesen Nationen.

Derzeit besteht noch die Möglichkeit, ein gut funktionierendes System der Kreislaufwirtschaft zu erhalten, im Sinne des Phosphorkreislaufs und der Entsorgungssicherheit für Klärschlamm in Österreich.